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Immer noch: Antisemitismus in Deutschland – Schwerpunkt 2026

Antisemitismus ist keine Erscheinung der Vergangenheit. Und er war niemals ganz weg. Daran erinnert Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zum Auftakt des Schwerpunktprogramms 2026.

Themenfelder:
  • Stiftung

Seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949, dem Neuanfang Deutschlands als liberale Demokratie, die der Unantastbarkeit der Würde eines jeden Menschen verpflichtet ist, gab und gibt es immer noch Antisemitismus. Also Judenfeindschaft bis zum Judenhass. Trotz der Ermordung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden, trotz der Verantwortung des deutschen menschenverachtenden NS-Unrechtsregimes für den Holocaust mit den notwendigen Konsequenzen der strafrechtlichen und entschädigungsrechtlichen Aufarbeitung sowie der Prägung der Politik bis heute ist der Antisemitismus in allen Bevölkerungsgruppen verbreitet. 

Das „Gerücht über die Juden“

In den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik war Antisemitismus kein öffentliches Thema. Im Gegenteil gab es starke Kräfte gegen die Aufarbeitung. Man denke beispielsweise an den mutigen, hartnäckigen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der viele Hindernisse überwinden musste, bis es zur Eröffnung der Auschwitz-Prozesse 1963 in Frankfurt am Main kam. 

Der Antisemitismus ist nicht weg zu bekommen. Theodor Adorno hat schon 1962 vor dem Hintergrund der Schuldabwehr und des sekundären Antisemitismus der deutschen Nachkriegsgesellschaft vom Antisemitismus als zentralem Bindemittel rechtsradikaler Bewegungen gesprochen. Es ist das „Gerücht über die Juden“, das halböffentliche Getuschel, das den Antisemitismus nährt. Es gibt ihn mit und ohne Juden, es gibt ihn religiös und antireligiös, es gibt ihn mystisch und in wissenschaftlicher Form, es gibt ihn als Teil rechter wie linker politischer Überzeugungen.

Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre schrieb schon 1949, dass der Antisemitismus nicht in die Kategorie von Gedanken fällt, die das Recht auf freie Meinungsäußerung schützt. Auf diesem Geist beruht das verfassungskonforme Verbot der Holocaust-Leugnung, das heute in Deutschland gilt.

Dass Antisemitismus hierzulande keinen Platz haben dürfe, ist ein Wunsch, der leider nicht der Realität entspricht. 

Wunsch und Realität

Dass Antisemitismus hierzulande keinen Platz haben dürfe, ist ein Wunsch, eine immer wiederholte Feststellung der Politik, die der Realität nicht entspricht. Und seit dem 7. Oktober 2023, dem brutalen Terrorangriff der Hamas auf Israel mit tausenden Toten und Verletzten, manifestiert sich der Antisemitismus in steigenden antisemitisch motivierten Straftaten und in einer zunehmend radikalisierten und hassgeprägten gesellschaftlichen Auseinandersetzung analog und digital. Und das trotz verbesserter Infrastruktur zum Vorgehen gegen Antisemitismus von Beauftragten bis Meldestellen, trotz verschärfter Gesetzgebung, trotz steigender Fördermittel und politischer Bildung in Schulen und Universitäten. 

Israel wird wie kein anderer Staat das Existenzrecht abgesprochen. Berechtigte Kritik an der Politik der israelischen Regierung vermischt sich mit israelbezogenem Antisemitismus. Kulturevents wie der Eurovision Song Contest 2025 und die Berlinale werden zur Bühne für politische Agitation gegen Israel genutzt.

Schwerpunkt 2026

Mit den Ursachen und Erscheinungsformen des Antisemitismus in Deutschland befasst sich das Schwerpunktprogramm der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Kooperation mit dem Haus der Geschichte Baden-Württemberg. In Gesprächen, Vorträgen, Workshops und Diskussionen setzen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit antisemitischen Verschwörungsmythen, mit dem Antizionismus, mit dem jüdischen Leben vor dem Hintergrund antisemitischer Hetze und den politischen Ausprägungen auseinander. 

Immer noch

gibt es Antisemitismus in Deutschland und darüber hinaus. Was bedeutet das für eine liberale Demokratie, die auf Freiheit, Rechtsstaat und Menschenwürde gründet?
Wie erleben Jüdinnen und Juden Antisemitismus heute, und was lässt sich dagegen tun?

Die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus und das Haus der Geschichte Baden-Württemberg gehen diesen Fragen 2026 in Vorträgen, Workshops und Ausstellungen nach.

Download: Schwerpunktflyer

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ist Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus. Zuvor war sie Bundesministerin der Justiz, Verfassungsrichterin in Bayern und Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen. (Foto: Theodor Heuss Stiftung)

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