- 15. September 2025
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- 3einhalb Fragen
- Zeitgeschichte
Herr Raphael, der Historikertag widmet sich in diesem Jahr dem Thema „Dynamiken der Macht“ und findet in Bonn statt, der früheren Bundeshauptstadt, in der früher einmal viel Macht ansässig war. Eine bewusste Wahl?
Ja, aber nicht weil Bonn einmal das politische Machtzentrum der Bundesrepublik war, sondern weil es heute ein wichtiger Wissenschaftsstandort auch für Historikerinnen und Historiker ist. Als Bonn noch Bundeshauptstadt war, hat dort nie ein Historikertag stattgefunden, ob das ein Zufall war, kann ich nicht sagen.
Der Historikertag ist eine wissenschaftliche Fachtagung - und zugleich sind Macht und Ohnmacht Themen, die breit diskutiert werden sollten. Lohnt sich der Historikertag auch für Alle jenseits der Wissenschaft?
Ja, zweifellos. Wir werben in Bonn in der Bürgerschaft, an den Diskussionsveranstaltungen zu unseren Topthemen teilzunehmen. Wir bieten ein umfangreiches Lehrer- und Schülerprogramm an. Der Historikertag ist Fachtagung und Ort historischer Bildung und Geschichtskultur zugleich.
Prof. Dr. Lutz Raphael
ist Vorsitzender des Vorstands des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands. Außerdem ist er Senior-Forschungsprofessor und ehemaliger Inhaber der Professur für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Trier.
Auf dem Historikertag soll auch über den Namen des Fachkongresses entschieden werden. Zur Abstimmung steht der Name “Tag der Geschichtswissenschaft”. Was haben solche Namensfragen mit Macht zu tun - und was soll damit erreicht werden?
Die Namensänderung ist keine Machtfrage. Hier geht es darum, eine angemessene Antwort auf den Sprachwandel und den richtigen Umgang mit unterschiedlichen Betroffenheiten und Erfahrungen mit Diskriminierungen zu finden.
Und noch unsere Frage 3einhalb: Sie sind ein “alter Hase” des Fachs und haben viele Historikertage erlebt. War “früher alles besser”?
Ganz im Gegenteil. Die Historikertage sind bunter geworden, die Beteiligung gerade der Jüngeren ist viel größer als früher, die Vielfalt der Ansätze und Themen in der deutschen Geschichtswissenschaft ist sichtbarer als noch vor 30 Jahren.